Eindecken– übertriebene Fürsorge oder berechtigte Notwendigkeit?

Die Blätter fallen und es wird wieder Zeit die warmen Jacken aus dem Schrank zu holen. Die Pferde bekommen ein flauschiges Fell und Sie fragen sich, vielleicht ob ihr Pferd ausreichend gegen die Schattenseiten der kalten Jahreszeit gewappnet ist. Jedes Jahr stellt sich von daher wieder die Frage „Muss ich mein Pferd eindecken oder nicht“?

Für den einen sind es praktische Gründe und für den anderen spielen gesundheitliche Aspekte eine Rolle.

Befürworter sprechen davon, dass man dem Pferd mit dem Eindecken eine Erleichterung verschafft. Außerdem haben eingedeckte Pferde ein weniger stark ausgeprägtes Winterfell und trocknen nach einem intensiven Training schneller. Besonders für Pferdehalter in Offenställen oder Paddock Trails erleichtert eine Decke das Putzen der Pferde und sorgt für eine Zeitersparnis beim Besitzer.

Die Gegenseite argumentiert, dass eine Decke bei gesunden Pferden unnötig ist und sogar die natürliche Thermoregulation des Tieres negativ beeinflusst. Außerdem besteht eine Verletzungsgefahr, wenn sich das Pferd wälzt und sich in den Gurten verfängt. Der Temperaturbereich der vom Pferd als angenehm empfunden wird, die sogenannte thermoneutrale Zone liegt bei minus 15 bis plus 25 Grad. Das ist also der Temperaturbereich, indem sich ein gesundes und an eine Umgebung angepasstes Pferd wohlfühlt. Eine Ausnahme bilden allerdings geschorene Pferde, da durch das Kürzen des Fells der natürliche Schutz beeinträchtigt ist. Diese sollten nicht ohne einen Schutz der Witterung ausgesetzt sein.

Es gibt ebenso viele Argumente für das Eindecken, wie auch dagegen. Aber einer weiß ganz bestimmt die richtige Antwort – unser Pferd. Also lassen wir doch das Pferd selbst entscheiden, ob es eine Decke tragen möchte oder nicht. Eine norwegische Studie aus dem Jahr 2013 hat gezeigt, dass Pferde durchaus in der Lage sind selbst zu entscheiden, ob sie eine Decke tragen möchten oder nicht. Dabei wurde mit einer Lernphase begonnen. Die Forscher haben mit der Methode des Clickertrainings gearbeitet.  Die Pferde haben gelernt ein Symbol einer Handlung zuzuordnen. So bedeutete ein Schild mit einem horizontalen Balken Eindecken und ein Schild mit einem vertikalen Balken Entfernung der Decke. Zu Beginn sollten die Pferde lernen eines der Schilder, wenn es dazu aufgefordert wurde mit der Nase zu berühren. Wenn das Pferd, eines der Schilder mit der der Nase berührt hat, wurde es mittels Clicker und Futter belohnt. Im nächsten Schritt sollte das Pferd die Unterschiede der Schilder lernen. Zu Beginn wurde nur mit einem Symbol gearbeitet. So wurde dem eingedeckten Pferd das Symbol für das „Decke Entfernen“ gezeigt. Bei Berühren des Schildes erfolgte die Belohnung und die Decke wurde abgenommen. Im Anschluss daran wurde das Pferd vor die Wahl gestellt und beide Schilder angeboten. Beim Anstupsen des entsprechenden Schildes erfolgte dann wieder die Belohnung und die entsprechende Handlung.

Allgemein lässt sich die Frage der Sinnhaftigkeit des Eindeckens wohl nicht beantworten. Sie sollten daher tierindividuell entscheiden. Berücksichtigt werden sollte hierbei die Haltungsform, die Rasse, die Witterungsbedingungen, die Art wie mit dem Pferd gearbeitet wird sowie der Gesundheits- und Entwicklungszustand des Tieres. Wichtig ist es jedoch konsequent zu sein. Wer begonnen hat ein Pferd im Herbst einzudecken, sollte seiner Entscheidung treu bleiben, da sich der Organismus des Pferdes auf die Situation eingestellt hat und sich das Winterfell entsprechend entwickelt hat. Vielleicht hat auch der ein oder andere Erfolg damit, seinem Pferd beizubringen, die Deckenfrage selbst zu entscheiden.