Kiebitz-Journal_02_2022_Final

Ich staunte nicht schlecht, als ich in der Abenddämmerung letzten April auf meiner Joggingrunde den Nachbarn im Garten, mit einer Toilettenpapprolle bewaffnet, liegen sah. Neben ihm eine Holzkiste, die ich so noch nicht gese- hen hatte. Deshalb hielt ich an, ummir dieses Spektakel genauer anzusehen. Nun kroch er auf leisen Sohlen über den Rasen und steckte die Papierrolle in ein Loch. Wenn dies eine neue Art der Mäusebekämpfung ist, so dachte ich mir, muss ich mir das wirklich näher erklären lassen. Vielleicht war der Nach- bar auch ein Mäusefreund und wollte, dass die Ausgänge nicht verschüttet werden.Warum dann aber so leise und bedacht? Gerade als ich meinen Weg fortsetzen wollte, da er nun schon etwas länger regungslos auf dem Boden lag, richtete er sich auf und trug die Papierrolle, so vorsichtig wie eine Porzellanpuppe, zum Kasten hin. Hatte er nun wirklich eine Maus gefangen und wollte sie als Haustier hal- ten? Er steckte die nun verschlossene Papphülle an den Kasten, wartete und freute sich. Jetzt war mein Interesse wirklich geweckt, so dass ich aus meinem Beobachtungsversteck vor den Gartenzaun trat. Derweil zog er die Rolle ab, machte es sich in einem Gartenstuhl bequem und entdeckte mich. Die Au- gen blieben jedoch starr auf den Holzkasten gerichtet, als ob nun eine Hypnose stattfinden solle. Da musste ich einfach nachfragen, was es mit dem kuriosen Fang zu tun hatte und wurde aufgeklärt. Eine Königin wolle er einnisten und nicht irgendeine, sondern eine echte Hummelkönigin. Deshalb sei er schon seit Tagen an den von ihm erstellten Löchern unterwegs, um einen Nistplatz anzubieten in seinem Hummelhaus. Spannend! Und so warteten wir beide, ob die Hummelkönigin raus und wegfliegt oder sich einnistet und deshalb als erstes einen Orientierungsflug macht. Und wer weiß, vielleicht liege ich auch in diesem Jahr auf der Lauer und ernte erstaunte Blicke der nichts ahnenden Nachbarschaft. Von einem der auszog, die Königin zu fangen Kolumne Ihre Linda

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